Kultur im Landkreis:Acht Mal Knödel mit Kraut - und gepfefferte Dialoge

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Kultur im Landkreis: Hochkonzentriert bei der Probe zu "s'Elädrische": die ganze Theaterbagasch.

Hochkonzentriert bei der Probe zu "s'Elädrische": die ganze Theaterbagasch.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Pleaninga Theaterbagasch macht mit "s'Elädrische" eine Reise zurück zum Beginn des 20. Jahrhunderts und den Anfängen der Elektrizität. Die Darsteller bringen das Stück mit Inbrunst, Überzeugungskraft und unbändiger Spielfreude auf die Bühne.

Von Michaela Pelz, Pliening

Authentizität! Das ist das, was ihren Spielern ganz wichtig sei, sagt Regisseurin Barbara Betz mit einem kleinen Glucksen. Sie bezieht sich auf die Knödel mit Kraut, die eine eindrucksvolle Rolle im neuen Stück der Pleaninga Theaterbagasch spielen und bei der Probe an diesem Montagabend nur imaginär vorhanden sind. Bei den insgesamt acht Aufführungen ab 5. Januar hingegen gebe es echte Speisen. "Die müssen's dann wirklich essen!"

Authentizität wiederum ist ziemlich sicher nicht der Grund dafür, dass Anton Holzner den "Stromer" verkörpert. Obwohl der Mann im echten Leben tatsächlich "Elektromoasta" ist. Vielmehr, so sagt der erste Vorsitzende des Theatervereins, sei er derjenige, den man besetze, "wenn man was G'spinnertes braucht, ein Depperl oder jemanden mit einem Sprachfehler. Oder sogar einen, der Hochdeutsch spricht". Letzteres muss der 41-Jährige, der seit seinem 16. Lebensjahr bei der Theaterbagasch mitwirkt, im aktuellen Stück "s'Elädrische" nicht tun, wenn er mit grauem Kittel, Brille, Schiebermütze, Aktentasche und einem überdimensionalen Plan auf die Bühne marschiert. Also mit den Insignien jenes Beamten aus dem Anfang der 1920er Jahre, den er verkörpert. In einer Zeit, als elektrischer Strom eine exotische Größe und längst noch nicht in jedem Haushalt und schon gleich gar nicht in einem kleinen bayerischen Dorf angekommen ist.

Jungbauer Sixt Vorreitner (Franz Wutz) allerdings, ein Vorreiter in Sachen Zukunft, hat sich von Viehhandler Girgl (Thomas Frank) zur Installation überreden lassen. Dabei hat er sich energisch gegen die Altbäuerin (Sabine Kettenstock) durchgesetzt, die absolut gegen das "neimodische Zeig" ist.

Kultur im Landkreis: Jetzt passiert's: S'Elädrische kommt wirklich!

Jetzt passiert's: S'Elädrische kommt wirklich!

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Rest der Bewohner des Einödhofs weiß zunächst nicht so recht, was von der ganzen Sache zu halten ist. Das gilt sowohl für die Knechte Ignaz (Andreas Grübl), Korbinian (Benno Burghart) und den Schürzenjäger, Rossknecht Wast (Seppe Bauer-Eberhart), als auch für beiden Mägde Mirl (Rebecca Meckl) und Vroni (Karo Eberhart) sowie Leni, die Schwester des Bauern (Lisa Konrad-Lohner), die immer noch auf der Suche nach einem passenden Bräutigam ist. Der Einzige, der sich wirklich auszukennen scheint, ist der Scherfanger.

An dieser Stelle eine kleine Anmerkung für Nicht-Bajuwaren: Bei Scher-Fanger handelt es sich mitnichten um den Eigennamen des von Günther Schuler junior kongenial verkörperten, zwar wetterwendischen, aber unfassbar lustigen und sympathischen Kauzes, sondern um seine Berufsbezeichnung. Er ist nämlich - wie im Programmheft und auch während des Spiels durch eine eingeflochtene Erklärung zu erfahren - Maulwurfjäger. Der nun darf vor den Hofleuten zum Ausdruck bringen, was man unter "s'Elädrische" wirklich versteht: "Was Unglaubliches. Was Unvorstellbares. Was Irrwariges."

Die Zuhörer in der Szene sind ordentlich beeindruckt - und man selbst ist es auch. So viel Inbrunst, so viel Überzeugungskraft, so viel unbändige Spielfreude verströmt dieses komplette Ensemble, dass man auch als Zugereiste großes Vergnügen empfindet. Selbst, wenn man nicht jedes einzelne Wort versteht.

Rund 140 Mitglieder hat die Theaterbagasch

Die Begeisterung am Tun erklärt wohl auch den Erfolg der Truppe seit immerhin 45 Jahren - seit 1977 nämlich gibt es den Verein, ab 1996 unter dem Namen Theaterbagasch. Schaut man ganz genau hin, besteht die Affinität zum Laienspiel in der Gemeinde sogar schon viel länger: Laut Chronik gab es bereits 1886 erste Aufführungen im heutigen Landgasthof Forchhammer. Gut möglich, dass auch damals der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und der Spaß am gemeinsamen Auftritt und am "7. Akt", dem anschließenden Umtrunk auf der Bühne, ausschlaggebend waren für den Zulauf zum Verein. Was zur stattlichen Mitgliederzahl von heute etwa 140 Personen führt, wie Holzner berichtet, von denen aber natürlich nicht alle dauernd mitspielen.

Alle bringen sich ein, alle nehmen ihre Aufgabe sehr ernst, alle helfen zusammen. Wer erst sehen will, ob das Schauspielern ihm oder ihr liegt, darf sich bei der regelmäßig zwischen den "großen" Auftritten stattfindenden "Bunten Bühne" in kleinen Einaktern ausprobieren. Wer nicht im Scheinwerferlicht stehen mag, findet eine andere Aufgabe. Und wenn es um die Beschaffung der Requisiten geht, wird schon mal die komplette Familie eingespannt: Für einen noch benötigten "Herrgottswinkel" - neben Jesus am Kreuz braucht's noch unbedingt ein Bild vom verstorbenen Großvater mütterlicherseits und von der Tante "Gott hab sie selig" Anni" - in der mit vereinten Kräften frisch gemalerten "Stube" hat die Regisseurin schon Holzners Frau angesprochen; die wiederum hat ihre Schwägerinnen auf die Sache angesetzt.

Kultur im Landkreis: Regisseurin Barbara Betz hat alles im Griff.

Regisseurin Barbara Betz hat alles im Griff.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein bisschen pressiert es jetzt schon: Nachdem Anfang November die ersten Leseproben und das Einüben der Wege stattgefunden hatten, und Mitte Dezember die Bühne aufgestellt wurde, trifft man sich nun dreimal die Woche zum Proben im Bürgerhaus, damit zur Premiere am 5. Januar alles sitzt. Noch ist Souffleuse Barbara Eder nicht überflüssig, aber es wird bereits sehr deutlich, was Regisseurin Betz meint, wenn sie sagt: "Über die Jahre habe ich festgestellt, dass die Gruppe anspruchsvoller wurde, mehr will - und eine Leistung bringt, an die man vor 15 Jahren nicht gedacht hätte."

Das Können der Truppe zeigt sich jetzt in einem Stück von Peter Landstorfer. Der Rechtsanwalt und Autor mit eigener Bühne verfasst jedes Jahr ein neues Werk, von denen man in Pliening schon mehrere gezeigt hat. Das aktuelle stammt bereits aus dem Jahr 1996 und sollte vor rund 20 Jahren bereits einmal aufgeführt werden.

Kultur im Landkreis: War nicht nur gut 40 Jahre als Erster Vorsitzender für die Geschicke des Vereins verantwortlich, sondern (und das nach wie vor) als gelernter Schreiner auch für das Bühnenbild: Markus Burgmair.

War nicht nur gut 40 Jahre als Erster Vorsitzender für die Geschicke des Vereins verantwortlich, sondern (und das nach wie vor) als gelernter Schreiner auch für das Bühnenbild: Markus Burgmair.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das ging aber nicht, da sich schon einer der anderen Theatervereine im Umkreis das Stück ausgesucht hatte. Dazu meint Markus Burgmair, gut 40 Jahre lang erster Vorsitzender, man habe sich seinerzeit nicht in die Quere kommen wollen - so, wie man sich auch gegenseitig niemals die Schauspieler wegnehmen würde - "bei uns geht es nicht zu wie bei den Fußballspielern".

Genauso voll wie im Stadion dürfte es aber natürlich im Saal mit Platz für 300 Leute gern werden. Dort könnten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer dann ergötzen an den Auswirkungen des hochgelobten Fortschritts. Der schon mal lautmalerisch mit "tsch-pff, tsch-pff, tsch-pff" verdeutlicht wird. Ob durch "s'Elädrische" wirklich alles so viel besser wird, darf dann jeder für sich entscheiden. Zwar ist Einiges im Vorverkauf schon weggegangen, aber es gibt noch Karten.

Zum Schluss noch eine wichtige Frage: Wer sorgt für die Knödel? Barbara Betz ist diesbezüglich recht hoffnungsfroh: "Entweder es kümmert sich eine der Damen darum oder es gibt eine edle Spende von einer örtlichen Metzgerei."

Die Premiere der bayerischen Komödie "s'Elädrische" findet am Donnerstag, 5. Januar, um 19.30 im Plieninger Bürgerhaus statt. Weitere Termine sind der 6., 7., 8., 13. und 14. Januar. Karten zum Preis von 10 Euro unter Telefon (08121) 409 23 oder an der Abendkasse.